Dom zu Brixen 1Die Landschaft Südtirols ist bekanntermaßen im Herbst besonders reizvoll. Deshalb nutzte der Musikverein Oberndorf den Extra-Feiertag zum 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober für eine Konzertreise ins Eisacktal. Höhepunkt war die feierliche Gestaltung der Messe im Dom zu Brixen.

Unter der Leitung von Jens Weismantel eröffnete das Orchester mit der Festmusik „Sei uns gegrüßt!“, die Richard Wagner 1844 zum Empfang des sächsischen Königs Friedrich August komponierte. Sie ist als Originalwerk für Bläser und Männerchor geschrieben und gilt als Beweis dafür, dass Wagner das Potenzial des Blasorchesters erkannt und gern genutzt hat. Die strahlenden, kraftvollen Bläserklänge hatten es ihm offenbar angetan.

Mit „Pie Jesu“ brachten die Musiker/innen ein Werk des Erlenseer Komponisten Rolf Rudin an seinen Ursprung zurück. Es ist Teil eines Requiems, das die Südtiroler Gemeinde Kastelruth zum Tod ihres ehemaligen Bürgermeisters Vinzenz Karbon in Auftrag gab und das am 12. November 2005 uraufgeführt wurde. Das Besondere an der Komposition ist die positive Stimmung in Es-Dur, die Rudin für Solosopran und Sinfonisches Blasorchester schuf. Diana Christ füllte mit ihrem ausdrucksvollen Sopran den großen Kirchenraum wunderbar aus.

Das ursprünglich für achtstimmigen gemischten Chor geschriebene „Alleluia“ des amerikanischen Komponisten Eric Whitacre brachte das Orchester in einer Bearbeitung für Sinfonisches Blasorchester zur Aufführung. Sopranistin Diana Christ übernahm dabei den Part der Solo-Oboe. Auffällig ist, dass das Alleluia bei Whitacre nicht fröhlich, sondern eher melancholisch anmutet. Er vertont in diesem Werk seinen Lieblingsmonat Oktober, der für ihn geprägt ist durch die frische Herbstluft, die feine Veränderung des Lichts und eine besondere Ruhe und Sentimentalität. In den eingängigen Melodien und sich auflösenden Harmonien wurde Whitacre durch die großen Komponisten der Englischen Romantik (Vaughn Williams, Elgar) inspiriert.

Zum Auszug erklang mit „Wir spielen all mit Freudenschall“ ein typisches Beispiel venezianischer Mehrchörigkeit, die um 1600 in Italien entstand. Kirchen wie San Marco mit zahlreichen Emporen regten die Komponisten dazu an, den Kirchenraum mit seinen vielfältigen Klangmöglichkeiten auszunutzen, indem sie Werke für mehrere Klangkörper schrieben. Das Orchester präsentierte Johannes Eccards Komposition als Doppelchor mit Holz- und Blechbläsern im Wechsel.

Mit ihrem Applaus nach dem Schlusssegen zeigten die Gottesdienstbesucher im vollbesetzten Kirchenraum ihre Begeisterung über die Darbietungen des Orchesters. „Ich freue mich sehr über die großartige Gelegenheit, im Brixner Dom spielen zu dürfen“, resümierte Dirigent Jens Weismantel. Schließlich sei es nicht selbstverständlich, mit einem Blasorchester einen Gottesdienst im Dom zu begleiten, da der Ursprung der Blasmusik in der Marschmusik liegt. „Bedanken möchte ich mich deshalb sehr herzlich bei Domkapellmeister Heinrich Walder, der uns sein Vertrauen für dieses Vorhaben schenkte, und bei Margarethe Oberrauch, die uns während der Proben im Dom fürsorglich betreute.“

Beim anschließenden Platzkonzert auf dem Domplatz gelang es dem Musikverein mit seinem breiten musikalischen Spektrum von Böhmischer Blasmusik über Bigband-Sound bis Rock, ein großes Publikum zu binden. Und auch das Wetter war den Musiker/innen gewogen, denn der angekündigte Regen blieb glücklicherweise aus.

Neben der Musik durften bei einem Besuch in der ältesten Stadt Tirols die Geschichte und das Kulinarische nicht zu kurz kommen. Und so bildete eine Stadtführung durch die Brixener Altstadt, der Besuch des Klosters Neustift und das traditionelle „Törggelen“ mit gebratenen Kastanien, typischer Bauernkost und neuem Wein ein perfektes Rahmenprogramm.

Nach dieser sehr erfolgreichen Konzertreise steht schon das nächste Projekt an. Die Proben für das Frühjahrskonzert am 17./18. März 2018 haben bereits begonnen. So viel sei schon verraten: Es wird „ungeheuerlich“.