Crossover-Konzept beeindruckt Besucher

Jossgrund-Oberndorf (mfi). Aus Anlass des Jubiläumsfestes zum 50-jährigen Bestehen spielten die 70 Musiker des Musikvereins Oberndorf (MVO) die Wiederauflage von "Blasmusik Will Rock You". Bereits vor sechs lehren begeisterte der Verein mit seinem Crossover-Konzept die Gäste auf dem Festplatzgelände in Oberndorf. Damals noch gab es echtes Open-Air Feeling, denn das Konzert ging unter freiem Himmel über die Bühne. Zum Fest- und gleichzeitigem Klerwochenende verlagerten die Veranstalter das Konzert diesmal ins Festzelt.

Zur Verstärkung hatten sich die Musiker einen 40-köpfigen Projektchor auf die Bühne geholt. Sänger aus dem ganzen Jossgrund bildeten den gesanglichen Background. Ein Großteil von ihnen entstammte dem Chor Querbeet, dessen Chorleiter Tobias Birkler sich für das Einstudieren der Gesangsparts verantwortlich zeichnete. Die heimische Rockgruppe Rollertoaster, alles Musiker des MVO, sorgte für kernige Klänge an Keyboard und E-Gitarre. Angetrieben von ihrem charismatischen Dirigenten und Motivator Jens Weismantel lieferten Orchester, Band und Projektchor Rock-Unterhaltung erster Güte.

Zwar hat der Verein viele junge Musiker in seinen Reihen, doch wer glaubte, hier würden die aktuellen Charts rauf und runter gespielt, sah sich getäuscht. Rocklg, poppig, vor allem soulig und jazzig ließen sie einen Hit nach dem anderen vom Stapel und garnierten ihr Programm mit einer guten Auswahl an Titeln, die vor allem älteren Semestern bestens bekannt gewesen sein dürften. Für viele der Songs gab es nicht einmal ein Arrangement für Blasorchester. „Alles kein Problem, wenn man versierte Musiker im Verein hat", meinte der Dirigent. So wurde ein Großteil der Titel von Stefan Bien eigens für das Konzert arrangiert. Als Opener präsentierte Weismantel sogleich zwei temperamentsprühende Stücke von Paul Simon. "Late ln The Evening" und "You Can Call Me Al".

Doch waren es vor allem die herausragenden Solisten, die dem ersten Teil des Abends ihren Stempel aufdrückten. Zeitgenössischen Soul von Amy Winehouse intonierte Petra Weismantel in unnachahmlicher Winehouse-Attitüde. Mit den Interpretationen von "Valerie" und "Rehab" ließ sie die Festzeltbesucher aufhorchen. Mit der Rock-Soul-Röhre Adele hatte sich Christina Haberkorn beschäftigt. Mit "Rolling ln The Deep" und "Set Fire To The Rain" verdiente sich die junge lnterpretin mit ihrer eindrucksvollen Stimme Beifallsstürme. Die unvergessliche Soul- und Bluesstimme des Abends aber gehörte eindeutig Frank Zich. Mit Titeln von Lionel Richie ("All Night Long") und Stevie Wonder ("l Wish") legte er los, um in dem anschließenden "You Can Leave Your Hat On" von Randy Newman erst richtig einen rauszuhauen. Dem Original in seiner Haltung täuschend nahekommend, sorgte Zich mit seiner eindringlich-markanten Stimme für Gänsehautfeeling. Gemeinsam mit Diana Desch brachte er den ständig anwachsenden Geräuschpegel im Festzelt mit der herzzerreißenden Ballade "Up Where We Belong" zum Erliegen. "Happy" über das bislang Gehörte und mit dem gleichnamigen Ohrwurm von Pharell Williams ging es für die mehr als 1200 Gäste in eine dreißigminütige Pause.

Rasch ließ sich das Publikum danach erneut von der Euphorie der Musiker und den Hits von Toto („Childs Anthem"), Phil Collins („Something Happened", "Easy Lover"), den Blues Brothers ("She Caught The Cathy"] und Paul McCartney ("Live And Let Die") anstecken. Jazzige Bläsersätze und fulminante Schagzeugsoli begeisterten zwischendurch. Die Evergreens der legendären amerikanischen Jazzrock-Band Chicago ("Make Me Smile" und „25 or 6 to 4") zählten ebenso zum Programmrepertoire wie ein eindrucksvolles Deep-Pur- ple-Medley. Starke Akzente setzte der in der hinteren Bühne agierende Chor "Another Brick ln The Wall" von Pink Floyd, jener trotzigen Hymne, welche die Mentalität ganzer Schülergenerationen geprägt hat und zum Tell heute noch prägt. Auch bei der sich anschließenden pompösen Opern-Parodie „Bohemian Rhapsody" von Queen zeigte sich der Chor ausdrucksstark und bewegungsfreudig um den überzeugenden Frontsänger Andreas Weismantel.

Rockige Titel von den Doobie Brothers ("Long Train Running") und Kansas ("Carry On My Wayward Son") sowie starker Gesang von Jonas Bien läuteten den musikalischen Endspurt ein. Mit Leonard Cohens "Halleluja" fand das über zweistündige Blasmusik-Rock-spektakel seinen emotionalen Abschluss. Die Rock-Ballade von Queen „We Are The Champions" setzten die Musiker als Zugabe oben drauf. „Nach dem großen Kultursommer-Konzert war die Zeit der Vorbereitungen denkbar knapp", erklärte Pressewartin Melanie Leisgang. Um so anerkennenswerter ist die Leistung des Orchesters. Wer beim Konzert nicht dabei war, hat etwas verpasst.

(Gelnhäuser Neue Zeitung - 11. August 2014)