"Blasmusik will rock you" verzaubert das Publikum

Jossgrund-Oberndorf. Sie können es einfach. Wenn Dirigent Jens Weismantel den Taktstock hebt und der Musikverein Oberndorf rockige, poppige und soulige Ohrwürmer der 60er- und der 70er-Jahre anstimmt, dann ist das Publikum verzaubert. Und die Besucher kamen in Scharen zum Festplatzgelände, rund 700 Karten waren im Vorverkauf über den Tresen gegangen.

Bestens ausgerüstet mit Decken, Kissen und Klappstühlen bevölkerten die Musikfans den Hang um den Festplatz und sorgten für ein gelungenes Open-Air-Happening, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei gewesen sein dürfte. Eröffnet wurde der Abend von Lumberjack, der heimischen Rockband, die mit Titeln von Chicago, den Busters und "spanischem" Ska schon richtig anheizte. "No risk, no fun", tönte es da vom überdachten Podium. In der Tat war es wetterbedingt eine kleine Zitterpartie. Doch selbst ein kurzzeitiger Regenschauer trübte dieses außergewöhnliche Event in keinster Weise. Im Klatschrhythmus zu Queens "We will rock you" betraten die 60 Musiker und Musikerinnen nebst Band die Bühne. Mit "Child's anthem" und "Africa" von der kalifornischen Band Toto rockten sie sogleich los. Weiter ging es mit Titeln von Alan Parsons Project. Neben "Eye in the sky" und "Old and wise" brachten sie auch den Leckerbissen "Silence and I" zu Gehör.

Michel Christ an der E-Gitarre, Stefan Bien am Saxophon und Christina Haberkorn am Flügelhorn wie als Sängerin überzeugten in den Solo-Parts. Die soulig-funkige Note lieferte das Orchester mit Titeln von Blood, Sweat and Tears ("Spinning wheel" und "When I die"). Mit Leadsängerin Carmen Schuckert aus Altenhaßlau hatte sich der Verein hierfür eine fantastische Stimme mit souligem Timbre in seine Reihen geholt. An Xylophon und Tube brillierten zudem Benedikt Remlein und Jonas Weismantel. Hier und da wurde auch ein wenig gekaspert, erklang schon mal eine ungewöhnliche Nasenflöte. Die Stimmung auf Bühne und Gelände war jederzeit bestens. Der "Soul Bossanova" von Altmeister Quincy Jones, ein zeitloser Titel, der so herrlich zum Improvisieren einlädt, brachte die Zuhörer zum Swingen.

Ebenso der Titel "Birdland" bei dem Stefan Bien am Saxophon und Petra Weismantel, Carmen Schuckert sowie Andreas und Jens Weismantel als Gesangssolisten glänzten. Mit einer gefühlvollen Hommage an Menschen in Not, die "Children of Sanchez", eindrucksvoll interpretiert vom Dirigenten selbst sowie den Instrumentalsolisten Astrid Kleespies und Isabelle Leisgang, verabschiedete das Orchester sein Publikum in die Pause. Inzwischen hatte sich das Festgelände in ein Lichtermeer verwandelt, die am Eingang verteilten Leuchtbändchen und Feuerzeuge erzeugten eine stimmungsvolle Atmosphäre. Rockig ging es im zweiten Teil weiter.

Für Brother Gibbs "Staying alive" und "Let's groove" von Earth, Wind an Fire in einer eigens für das Konzert arrangierten Version von Andreas Weismantel gab es kräftig Applaus.

Bei "Soul Fingers" von den Blues Brothers konnte die Rockband ihr Können unter Beweis stellen, und der neue Blaswandler von Stefan Bien kam erstmals zum Einsatz.

Mit Beatles-Arrangements, einem Deep-Purple-Medley und dem schmusigen Ohrenschmeichler "Hard to say I'm sorry" von Chicago zogen sie die Besucher restlos in den Bann. Die weltbekannte Rockhymne "Music" von John Miles bot denn auch den krönenden Abschluss eines wahrhaft wunderbaren Konzertes. Der brausende, nicht enden wollende Applaus war ein eindeutiges Indiz dafür, dass das Experiment "Blasmusik will rock you" genau den Geschmack getroffen hat.

Erst nach etlichen Zugaben bei denen Carmen Schuckert und Diana Desch nochmals für gesangliche Höhepunkte sorgten, durften die Musiker von der Bühne. "Es ist unglaublich und es hat so viel Spaß gemacht", bedankte sich Paul Mongel, der Vorsitzende, bei seinen Kollegen, allen voran dem Dirigenten und Initiator Jens Weismantel, den Sponsoren und Helfern sowie dem Publikum.

Mit dem Zusammenspiel von Blasorchester und Band, von Blasmusik und Rock hatte der Musikverein mal wieder Neuland betreten und ein nicht alltägliches, aber mehr als gelungenes Konzert auf die Beine gestellt.

Fortsetzung unbedingt erwünscht.

(von Dr. Monika Fingerhut, erschienen in der Gelnhäuser Neuen Zeitung - August 2008)