„Welcome – Diversity“ Frühjahrskonzert des Musikvereins Oberndorf begeistert / Jugendkapelle macht Auftakt

Jossgrund-Oberndorf (mfi). Am Ende gab es wieder einmal stehende Ovationen für die 65 Musiker und Musikerinnen des Musikvereins Oberndorf. Mit ihrem Frühjahrskonzert unter dem Motto „Welcome Diversity – Willkommen Vielfalt“ setzten sie ein Zeichen für Gemeinschaft mit völkerverbindender wie anspruchsvoll sinfonischer Blasmusik. Dabei spannten sie einen musikalischen Bogen rund um den Globus, gespickt mit abwechslungsreicher Literatur und technischen wie rhythmischen Herausforderungen.

Musik sei ein Spiegel der Welt, sie könne zwar keinen Hunger stillen und keinen Weltfrieden bauen, aber durchaus Nahrung für die Seele und Brücken zwischen den Kulturen sein, mit diesen Worten eröffnete Rita Weismantel das Programm. In Ihrer Moderation wusste sie treffend auf die Stücke zu beziehen und anschaulich mit persönlichen Erlebnissen zu unterstreichen.

Den Auftakt machte seit langem wieder einmal die Jugendkapelle unter der Leitung von Andreas Weismantel. Mit „Joy Of Music“, „Pirates Of The Caribbean“ und „Korobushka“ zeigten sie ein für junge Nachwuchsmusiker bereits erstaunlich musikalisches Repertoire, ganz jenseits gefälliger Blasmusik-Kost. Hochkonzentriert und mit viel Spaß bei der Sache begeisterten sie die rund 320 Zuhörer, die lautstark eine Zugabe einforderten. Mit diversen Süßigkeiten belohnt wurden Elina Lorenz, Luke und Mats Ruppel sowie Elias Kleespies für ihren vorbildlichen Probeneinsatz.

Das Stammorchester unter dem Dirigat von Jens Weismantel startete passend zum Thema mit der „Ouverture Allemande“ des österreichischen Zeitgenossen Thomas Doss. Ein Werk, das die Vielfalt der europäischen Kultur widerspiegelt. In ihr soll die Freundschaft zwischen Deutschland, Österreich und den angrenzenden Ländern symbolisiert werden. Angesichts der derzeitigen politischen Lage ein wahrlich hehrer Wunsch. Flirrend impressionistisch, militärisch zackig und auch romantisch verspielt präsentierten die Musiker diese Festouvertüre.

Sehr feinfühlig ließen sie im Anschluss „A Dakota Rhapsody“ von Mark Camphouse folgen, ein Werk, das sich mit der Geschichte der Dakota-Indianer befasst. Ein Feuerwerk an musikalischen Ideen und spritzigen Rhythmen ist „El Camino Real“, die königliche Straße, von Alfred Reed, inspiriert von der Urwüchsigkeit und dem Temperament der spanischen Musik. Für den feurigen Zauber von Flamenco, melancholisch und leidenschaftlich interpretiert, wurde das Orchester mit Bravo-Rufen für die exzellente Umsetzung belohnt. Die Kunst eines Orchesters ist es, Stimmungsbilder auf die Bühne zu malen. Die versteht der Musikverein mit seinem motivierenden Dirigenten ganz ohne mediale Unterstützung wie zusätzliche Bildprojektionen oder Verkleidungsszenarien in die Köpfe des Publikums zu zaubern.

Da genügen als passende Dekoration ein paar Nationalfahnen oder Musikverein-Specht Jossi, um den heimatlichen Charakter zu betonen. Der Fokus liegt auf der Musik und deren ausdrucksstarker Interpretation. Mit „Romantic Charme Of Pentatonism“ wendeten sich die Musiker nach der Pause dem Reich der Mitte zu. Romantisch-weiche Phasen wechselten mit lautstarkem Festgetümmel. Nach dem Ausflug in den asiatischen Kulturraum widmete sich das Orchester dem slawischen Tanz Nummer 4 von Antonin Dvorak mit seinem tänzerisch-heiteren Charakter. Im musikalischen Bilderbogen durften natürlich auch irische Weisen nicht fehlen. Mit zwei Kompositionen von Percy Aldridge Grainger (Irish Tune From County Derry und Sheperd’s Hey), besinnlich wie heiter ein Hörgenuss, nahmen sie die Zuhörer mit auf die grüne Insel zur heimlichen Nationalhymne Nordirlands.

Ebenfalls eine interessante Synthese verschiedener Musikstücke ist das Werk „Kongolela“, zu dem der Jazzmusiker Jan Magne Forde bei einer Tansania-Reise inspiriert wurde. Mit dieser Komposition, bei der Stefan Bien am Saxophon bestach, setzte das Orchester instrumental als auch gesanglich einen weiteren Höhepunkt.

Eines der großartigsten Werke der Musikgeschichte ist sicher die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Besonders bekannt wurde ihr vierter Satz, in der Beethoven die „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller vertonte. Mit vier Gesangssolisten (Diana Christ, Christina Haberkorn und Andreas sowie Jens Weismantel) ließ das Blasorchester die Europahymne stimmungsvoll erklingen. Deren Solidaritätsgedanken („Alle Menschen werden Brüder“) wurde bei der anschließend kräftig eingeforderten Zugabe zusätzlich unterstrichen. Nachdem zunächst das jüdische Volkslied „Shalom alechem“ auf der Bühne und im Saal (Solisten: Diana Christ und Jens Weismantel) ertönte, gab es nochmals den von Beethoven komponierten, nunmehr mit dem Publikum gemeinsam inbrünstig intonierten Aufruf an die Menschlichkeit als bombastischen Abschluss.

(Gelnhäuser Neue Zeitung – 18. März 2016)