Frühlingskonzert des Oberndorfer Musikvereins im Bürgerhaus

Jossgrund-Oberndorf (mfi). So schön können Erinnerungen sein. Berauschend und mitreißend, melancholisch und energiegeladen: Der Musikverein Oberndorf bot mit seinem diesjährigen Frühjahrskonzert im Bürgerhaus in Oberndorf einen facettenreichen musikalischen Rückblick auf das vergangene Jubiläumsjahr. Das war „ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte", wie Rita Weismantel formulierte. Charmant und informativ führte Weismantel durchs' vielseitige und abwechslungsreiche Programm, das so manche Höhepunkte der zurückliegenden Veranstaltungen noch einmal zu Gehör brachte.

So war beispielsweise die große Oper Nabucco Bestandteil der Silvestergala. Liebe, Eifersucht, Hass und Wahrheit hat Verdi in dieser Oper mit beeindruckender Genauigkeit und dramatischer musikalischer Kraft gestaltet. Energisch durchgeformt, mit voller Klangwucht und starken melodischen Akzenten setzte das Orchester damit ein erstes Ausrufezeichen. Mit dem Stück „Music For A Festival", dem Titel des Frühjahrskonzertes, hatte sich Dirigent Jens Weismantel an eine anspruchsvolle Neueinstudierung gewagt. Die Emotionen des Jubiläumsjahres, die Spannungen, die Erwartungen, die Anstrengungen und die Freude wurden mit den drei Sätzen von Philipp Sparke verdeutlicht. Viele Takt- und Rhythmuswechsel bedeuteten hohe Anforderungen an die Musiker. Mit dem anspruchsvollen, facettenreichen Klanggemälde stellte das Orchester, insbesondere Josef Weismantel am Fagott, seine unbändige Musizierfreude wie sein instrumentales Können einmal mehr unter Beweis. Mit Johan de Meijs Werk „Songs From The Catskill" blickten die Musiker auf die Eröffnung des Kultursommers 2014 zurück. Unter dem Dirigat von de Meij selbst präsentierte der Musikverein Oberndorf gemeinsam mit der Jossgrunder Künstlerin, „INK" einen außergewöhnlichen optischen wie musikalischen Höhepunkt. Die vielen irischen und schottischen Einwanderer in den Catskill Mountains, einem herrlichen Naturschutzgebiet im Bundesstaat New York, verzauberten den Komponisten de Meij so sehr, dass er Stücke aus der amerikanischen wie der europäischen Volksmusik zu einer Symbiose zusammenführte, die den Zuhörer ins Träumen versetzt. Sentimental und auch stürmisch hat das fast 70-köpfige Blasorchester diese wunderbare Komposition aus Ruhe und Kraft, Frieden und Erhabenheit interpretiert. Ebenfalls wieder die Gefühle im Jubiläumsjahr widerspiegelnd, ließ Weismantel mit „Danzon No. 2", ein Werk des mexikanischen Komponisten Arturo Marquez, erklingen. Viele Stimmungswechsel - von sehnsuchtsvoll-leidenschaftlich bis anpackend-kämpferisch - sind darin enthalten. Hoch komplex verknüpft das Werk die melancholische südamerikanische Atmosphäre mit schwungvollen Rhythmen.

Nach der Pause ertönten zunächst der „Florentische Marsch" von Julius Fucik und „Ein halbes Jahrhundert" von Very Rickenbach. Danach schlug die Stunde der Solisten, gesanglich wie instrumental. Mit den Titeln „All Night Long" von Lionel Richie, „You Can Leave Your Hat On" von Joe Cocker und „Long Train Running" von den Doobie Brothers in einem Arrangement von Stefan Bien und vom Rollertoaster-Quartett gerockt, rief der Musikverein das eindrucksvolle „Blasmusik-will-rock-you-Konzert" ins Gedächtnis. Franz Zichs Soloparts sorgten dabei erneut für Gänsehautfeeling. Die legendäre Kultstimme der Blues- und Rockgeschichte, Joe Cocker, ist im vergangenen Jahr leider verstorben. In Jossgrund hat er in Zich aber einen unvergleichlichen Imitator gefunden, der mit seiner Reibeisenröhre und den Cocker-typischen Bewegungen das Publikum bis in die letzten Reihen zu elektrisieren wusste.

Klar, dass sich das Orchester nach langen Standing Ovations nicht ohne Zugabe verabschieden durfte. Mit der gaben dann die adretten, jungen Damen Diana Desch, Christina Haberkorn und Isabelle Leisgang stimmlich und optisch das abschließende Sahnehäubchen mit „America" aus dem Musical „West Side Story" auf ein berauschendes Konzert.

(Gelnhäuser Neue Zeitung – 24. März 2015)